Aufgrund der antifaschistischen Haltung der Eltern wird die Familie zwei Jahre in einem japanischen Lager interniert. Mit bewundernswerter Bescheidenheit und zugleich großem Mut schreibt sie in ihrem Buch Ein halber Löffel Reis zum ersten Mal über die schrecklichen Erinnerungen, über die Erfahrung von Hunger und Gefangenschaft. Ein wichtiges Zeitdokument. Ihr Debüt Tage im August, das 1962 erscheint, macht sie über Nacht berühmt. Der Roman wird zu einem internationalen Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt. Maraini ist eine der Ersten, die über Gewalt an Frauen schreibt und sich im katholischen Italien mit dem Thema Sexualität auseinandersetzt. Sie engagiert sich stets politisch, insbesondere für Gleichberechtigung und Frauenrechte, war Mitbegründerin experimenteller Theater, lange Weggefährtin von Alberto Moravia und eng befreundet mit Pier Paolo Pasolini, mit dem sie lange Reisen für Filmprojekte nach Asien und Afrika unternahm. Sie verfasste Lyrik, Essays, Theaterstücke und Drehbücher u.a. für Margarethe von Trotta.
Maraini wurde mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet und ist Jurorin beim Premio Strega. Ihr wurde die Ehrendoktorwürde des Middlebury College in Vermont, der John Cabot University in Rom, der Università Politecnica delle Marche in Ancona, der Università LʼOrientale di Napoli sowie der Universitäten in Foggia und Aquila verliehen. 1996 wurde sie mit dem Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik ausgezeichnet, war für den Man Booker Prize 2011 nominiert und erhielt 2012 den Premio Campiello für ihr Lebenswerk. Dacia Maraini lebt in Rom.
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