Kalkflora im Knuttental am Alpenhauptkamm

Foto: Oswald Stimpfl

Kalkflora im Knuttental am Alpenhauptkamm

Das Knuttental zieht sich von Rein in Taufers aus als ein kleines Hochtal nach Nordosten hin und ist von hohen Bergen, darunter etlichen Dreitausendern, umgeben. Da macht Wandern richtig Spaß: einfache, angenehme Wege, leichte Orientierung, keine allzu anstrengenden Aufstiege, herrliche Natur mit rauschenden Bächen, einer Vielfalt an Blumen, schroffen, schneebedeckten Gipfeln sowie auf halber Strecke eine gemütliche Almhütte zur Einkehr.

Auf der Talstraße ins Knuttental parken wir 1 km nach Rein und beginnen unsere Wanderung. Der breite Weg Nr. 9 folgt mit geringer Steigung dem rauschenden Talbach. Nach 45 Minuten bleiben wir am Bachrand auf dem Fußsteig und entdecken bereits die ersten Boten der immer üppiger werdenden Flora. Vertreter der Kalkflora lassen uns erkennen, dass mit dem Bachschotter auch Kalkgestein herangebracht wurde. Nach einer Einkehr bei der Knuttenalm marschieren wir taleinwärts. Unmittelbar hinter der Hütte stoßen wir am Wegesrand auf einen weißen Felsrücken mit typischer Kalkflora, er ist Teil einer Kalkeinlagerung in der sonst aus Silikatgestein bestehenden Bergkette. Beim Klammlbach (20 Min. ab Knuttenalm) überqueren wir die Brücke und bleiben weiterhin in nordöstlicher Richtung auf Weg 1B. Wir folgen einer alten, grasbewachsenen Wegtrasse, die im Zickzack in die Höhe zur nicht bewirtschafteten Brunneralm (2.289 m, 45 Min. ab Brücke) führt. Auch auf diesem Abschnitt wird unser botanischer Blick fündig: Bonsaiartige Zwergweiden, zarter Steinbrech, jede Menge Weißer Germer, der gelb-grün blüht, giftig ist, und den Unkundige manchmal mit dem Gelben Enzian verwechseln. Die Hänge sind voller blühender Alpenrosen, wir entdecken Kopfiges Läusekraut, Einköpfiges Berufkraut, die unscheinbare grüne Mondraute, das Polster-Leimkraut und kurz vor der Hütte sogar die seltene Haller-Primel. Auf derselben Trasse treten wir den Rückweg an.

Gewöhnliche Mondraute (Botrychium lunaria)
Die 5 bis 20 cm hohe, gelbgrüne, blütenlose Pflanze aus der Familie der Natternzungengewächse ist mit den Farnen verwandt. Jede Pflanze hat nur ein gefiedertes Blatt und einen Stängel mit Sporenträgern. Das Blatt trägt nierenförmige oder halbmondförmige (Name!) Abschnitte. Die kugeligen, bei Reife braunen sporenträger bilden eine Rispe. Vorkommen: Auf mageren Weiden, montan-alpin, bis weit über die Waldgrenze. Verbreitet, wegen ihrer grünen Farbe und unauffälligen Form schwer auszumachen. Blütezeit: Mai bis August

Was den Blumenfreund interessiert
Geologen sprechen bei den Gesteinsformationen im Knuttental vom Tauernfenster, wo sich in den älteren Gesteinsarten des Alpenhauptkammes durch tektonische Bewegungen eine jüngere Bank aus fossilen Ablagerungen eingeschoben hat. Die Nähe von Kalk und Silikat begünstigt eine sehr artenreiche Flora, sodass sich im Knuttental zahlreiche Vertreter der typischen Kalkflora in unmittelbarer nähe von Pflanzen finden, welche eigentlich sauren Boden bevorzugen. Bei unserer Wanderung tritt direkt hinter der Knuttenalmhütte Kalk zutage und ist auch in der Bergspitze hinter der Brunneralm, welche bezeichnenderweise Weiße Wand heißt, das dominierende Gestein. Während auf den Almwiesen eine breite Palette von Bergblumen zu finden ist, haben in den Böschungen längs des Weges Pionier- und Polsterpflanzen ihren Standort erobert. einige der Arten, die wir auf dieser Wanderung finden, sind: verschiedene Enzianarten, die Weiße Höswurz, Mücken-Händelwurz, Gewöhnliche Mondraute, Moschus-Schafgarbe, Berg-Aster, Einkopfiges Berufkraut, Grüne Hohlzunge, Alpenhelm, Haller-Primel, viele Steinbrecharten, Polster-Leimkraut, Trauben-Steinbrech, Felsenehrenpreis, Zwergweiden wie die Netz-Weide, Weißer Germer, Kopfiges Läusekraut

 

Einkehrtipp
Knuttenalm: Direkt am Weg liegt diese gemütliche, vielbesuchte Almhütte mit großer Holzterrasse (1.922 m). Durchgehend warme Küche und Imbisse, kein Ruhetag. Rein in Taufers, Tel. 335 6508309

 

Die ungekürzte Fassung mit weiteren Infos und Wandertipps finden Sie im unten erwähnten Buch.

> Infos in kürze

Alpine Wanderung, größtenteils an und über der Waldgrenze in herrlichem Berggebiet, mittlere Schwierigkeit. Ausgangspunkt: Rein in Taufers. Gehzeit 4 Stunden, 570 Höhenmeter, 8,7 km. Beste Wanderzeit: Mitte Juni bis Mitte Juli. Anfahrt: 8 km Anfahrt auf der Landesstraße 48 ab Sand in Taufers bis Rein, durchs Dorf weiter 1 km bis zum Parkplatz.

Kalkflora im Knuttental am Alpenhauptkamm

Oswald Stimpfl

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