Nach Gschnon, der Sommerfrische der Kapuzinerpatres

Foto: Oswald Stimpfl

Nach Gschnon, der Sommerfrische der Kapuzinerpatres

Der Klerus wusste schon immer, wo es schön ist. Das gilt besonders für Gschnon, zu dem wir im Frühling über verschlungene und teils steile Wege vom Etschtal in die Höhe wandern – wahrlich ein magischer Platz.

Vom Parkplatz bei den Tennisplätzen in Obervill folgen wir am Bachufer Weg Nr. 3, der bald als Steig rechts abzweigt und über die Burgruine Kaldiff in Kehren aufwärts führt. Nach 1 h Gehzeit gelangen wir auf eine kleine Aussichtsplattform mit Bank und Panoramatafel. Auf den sonnenexponierten Felsen blühen um diese Jahreszeit die weiße Felsenbirne und Erika. Nach 15 Min. Aufstieg mündet der Steig in flacheres Gelände, geht kurz durch Kastanienwald und erreicht die Wiesen des Gstoager-Hofs (Berggasthaus). Das Meer von gelbem Löwenzahn zeugt von Überdüngung und intensiver Nutzung, aber am Wiesen- und Waldrand finden wir schöne Teppiche von Schlüsselblumen und an feuchteren Stellen in der Nähe des Hauses dichte Vergissmeinnicht-Bestände. Wir wandern auf breitem, ebenem Weg weiter auf Gschnon zu. Im Tälchen, das wir überschreiten, blüht im Bachbett die stattliche, seltene, lila-rosa Fünfblättrige Zahnwurz. Der Seidelbast ist leider fast verblüht, an feuchten Stellen finden wir auch das unscheinbare, gelb-grüne Milzkraut. Nach dem Bach folgen wir dem Wald- und Wiesensteig aufwärts zum Dorfnerhof (Einkehr). Für den Rückweg schlagen wir Weg Nr. 4 ein, der an der kleinen Kirche und der Sommerresidenz der Kapuzinerpatres von Neumarkt vorbei in den Wald und steil im Zickzack bis zum Bach, der von Truden kommt, führt. Nach der Überquerung des Baches wandern wir in Richtung des Weilers Glen (45 Min. ab Gschnon). Der Weg (Nr. 4) wird breiter, geht abwärts durch Wein- und Obstanlagen, an Bauernhäusern vorbei bis zu einer großen Weide mit Wetterkreuz. Wir folgen linker Hand dem Wegweiser „Kaldiff“, der uns auf einem Steig in 15 Minuten an den Bach, dort über eine Brücke und in wenigen Minuten zum Ausgangspunkt zurückführt.

Felsenbirne (Amelanchier ovalis)

Der Strauch wird bis zu 4 m hoch und bildet vor der vollständigen Ausbildung der Laubblätter große weiße Blütentrauben. Die 1 cm großen, gestielten blau-schwarzen Früchte sind essbar und schmecken mehlig-süß. Vorkommen: An trockenen sonnigen Felshängen, in Felsspalten und auf grasigen Felsbändern, auch als früh blühender Zierstrauch in Gärten. Kollin, montan. Blütezeit: April bis Mai.

Was den Blumenfreund interessiert
Der Steig führt teilweise durch das Gebiet des Naturparks Trudner Horn. Er überwindet etliche Höhenmeter und durchquert verschiedene Höhenstufen der Vegetation: Anfänglich geht es durch Flaum-Eichenwald, an schattigen Stellen treffen wir auf stattliche Eiben. Etwas höher, in den felsigen Hängen unterhalb des Gstoagers blüht die weiße Felsenbirne mit der rosa Schnee-Heide um die Wette. Auf den Wiesen um Gschnon erfreuen uns die inzwischen gar nicht mehr so häufigen Frühlingsblumen wie Vergissmeinnicht und Schlüsselblumen, dazwischen stehen noch als Relikte der einstigen Streuobstkultur alte mächtige Apfelbäume im weiß-rosa Blütenkleid. Die Aussicht über das weite Etschtal und die verschneiten Berge rundet den Wandergenuss ab.

Einkehrtipp
Dorfnerhof: Stattlicher Gasthof mit besonderer Atmosphäre und herrlichem Ausblick auf das Unterland. Geschmackvolle Gerichte aus hofeigenen Produkten vom Juniorchef Anton liebevoll zubereitet. Er gibt auch gerne Einblicke in seine Kochkünste. Gschnon 5, Montan, Tel. 0471 819798, www.dorfnerhof.it. Di bis So von 8 bis 22.30 Uhr geöffnet, Mo Ruhetag. Küche von 12 bis 15 Uhr und abends von 18 bis 21.30 Uhr.

Die ungekürzte Fassung mit weiteren Infos und Wandertipps finden Sie im unten erwähnten Buch.
 

> Infos in kürze

Mittelschwere Tageswanderung auf teils schmalen steilen Steigen, schöne Aussicht, wenig begangen, gute Einkehrmöglichkeit. Ausgangspunkt: Tennisplätze Neumarkt. Gehzeit: 4 Stunden, 860 Höhenmeter, 11 km. Anfahrt: Autobahnausfahrt Neumarkt/Auer, auf der Staatsstraße nach Cavalese, beim Gasthaus Rauscher in der Vill zu den Tennisplätzen mit Parkplatz abbiegen.

Nach Gschnon, der Sommerfrische der Kapuzinerpatres

Oswald Stimpfl

Blumenwanderungen in Südtirol

Ein bestechend illustrierter Wanderführer, der Südtirols Blumenvielfalt vorstellt