Ein Berg erzählt
Auf den Spuren des Kriegs am Lagazuoi

Foto: Oswald Stimpfl

Ein Berg erzählt
Auf den Spuren des Kriegs am Lagazuoi

Im Ersten Weltkrieg standen sich im Gebiet um den Col di Lana, der Tofana und des Lagazuoi, Österreicher und Italiener in erbitterten Kämpfen gegenüber. Die Italiener versuchten unter größten Anstrengungen, über den Falzaregopass nach Tirol vorzudringen. Die Österreicher verschanzten sich auf dem Gipfel des Lagazuoi und leisteten heftigen Widerstand. Die Italiener gruben kilometerlange Stollen in den Felsen, schleppten Unmengen von Sprengstoff an und jagten ganze Teile des Bergs in die Luft, um den Durchbruch zu erzwingen – vergeblich. Die ehemaligen Stellungen und Stollen sind heute ein Freilichtmuseum zum erbarmungslosen Gebirgskrieg.

Was Kindern gefällt
Bereits die Seilbahnfahrt auf den Gipfel des Lagazuoi ist ein Erlebnis: Die Gondel überwindet 800 Meter ohne Stützpfeiler in wenigen Minuten – wie im Aufzug geht’s in die Höhe. Der Abstieg, zuerst eine kurze Strecke im Freien, dann weitgehend in Tunnels, ist wahrhaft abenteuerlich! Im Laufe des Kriegs durchbohrten die Soldaten den Lagazuoi wie einen Schweizer Käse, die viele Kilometer langen Stollen sind mit Sicherheitsleinen, Leitern und Stiegen begehbar gemacht. Schützengräben, Stellungen, Gucklöcher, Fundamente alter Materialseilbahnen, Geschützstellungen, enge, finstere und kalte Mannschaftsunterkünfte erzählen vom harten Leben der Soldaten. Unzählige Menschen verloren im zermürbenden Stellungskrieg ihr Leben. Sorglos, aber interessiert und erwartungsvoll streifen die Kinder von heute über die alten Kriegsschauplätze.

Tipps
Sie können den Lagazuoi auch zu Fuß erklimmen. Der einfachste und schnellste Weg führt in knapp zwei Stunden auf gutem Steig von der Seilbahntalstation auf das Gipfelplateau (2752 m). Auch wer nichts vom Krieg und Kampf wissen will, wird von der großartigen Aussicht vom Berg begeistert sein und die strategische Bedeutung dieses Gipfels erahnen. Auf der Sonnenterrasse der Lagazuoi-Hütte lässt es sich trefflich speisen und faulenzen. Wer sich über den Krieg in den Dolomiten informieren und seine stummen Zeugen auf dem Lagazuoi richtig zu deuten lernen will, sollte vor Beginn der zweistündigen Bergtour der Ausstellung in der gepanzerten Sperre Tre Sassi am Valparolapass einen Besuch abstatten.

> Infos in kürze

Ab 6 Jahre. Tagesausflug, der Abstieg vom Gipfel dauert 2 bis 3 Stunden.
Wanderausrüstung, festes Schuhwerk, Helm (auch Radhelm) für die engen, unbeleuchteten Stollen, Taschenlampe! Helme und Stirnlampen können am Kiosk bei der Talstation (Büro der Bergführervereinigung) oder im Tourismusbüro Lagazuoi 5 Torri, (Cortina d’Ampezzo, Via Stazione 3, Tel. 0436 2863) ausgeliehen werden.
Anfahrt: Bei Stern/La Ila im Gadertal Abzweigung zum Valparolapass, Fahrt bis zur Seilbahn-Talstation 1 km hinter dem Pass, Parkplatz.
Einkehr: Lagazuoi-Hütte, Tel. 0436 867303, Bar Passo Falzarego, Tel. 0436 860393