Zum Stoanamandl bei Spinges:
Auf den Spuren von Katharina Lanz

Foto: Luisa Righi/Stefan Wallisch

Zum Stoanamandl bei Spinges:
Auf den Spuren von Katharina Lanz

Für die Südtiroler ist Katharina Lanz, die Freiheitskämpferin aus dem Gadertal, ein Beispiel für Mut und Heimatliebe. 1797 trat die 25-jährige Bauernmagd in Spinges den napoleonischen Truppen mit einer Heugabel bewaffnet entgegen. Diese Wanderung hat ihren Ausgangspunkt in der kleinen Ortschaft oberhalb von Mühlbach am Eingang ins Pustertal, wo die Schlacht stattfand.

 

In der Kirche des sonnigen Dorfes Spinges erinnert ein Glasbild an das wehrhafte Mädchen. An der Südseite der Kirche steht eine Gedenktafel. Den Ortskern können wir nach unserer Wanderung erkunden, vorerst fahren wir an der Straßenkreuzung vor dem Ort links weiter bis zum Parkplatz beim Wetterkreuz (1357 m), wo die Wanderung beginnt. Auf der Forststraße (Mark. 9) geht es durch einen Lärchenwald, nach einer halben Stunde gelangen wir zur Juz-Brücke (1538 m). Kurz darauf nehmen wir links einen steilen Weg (weiterhin 9). Diese Variante führt über eine Alm mit hübschen Hütten und einer herrlichen Aussicht auf das Pustertal. Etwas später stoßen wir wieder auf die Forststraße und schließlich auf eine Abzweigung (1½ Stunden ab Parkplatz), von wo es rechts in einer halben Stunde zur Anratterhütte (1850 m; von Mitte Mai bis Oktober geöffnet) gehen würde und links zu den Stoanamandl. Wir gehen links und stehen nach rund 1 Stunde auf der Anhöhe (2018 m) mit 360-Grad-Panorama. Im Norden prägen die Valser Skilifte das Bild. Der Rückweg verläuft bis zum Fuß der Erhebung auf dem gleichen Weg, dann geht es auf dem rotweiß markierten Weg ohne Nummerierung Richtung Spinges weiter. Nach einer guten Stunde gemütlichen Abstiegs über verträumte Wiesen, kommen wir vorbei an der Villa Defregger. Der Maler und leidenschaftliche Jäger Franz von Defregger lässt in den Jahren von 1880 bis 1911 auf den Almen oberhalb von Spinges drei Häuser bauen: Eines für sich und je eines für seine beiden Söhne. Die nach ihnen benannten Gebäude, in den Karten als Villa Defregger bezeichnet, werden noch heute von seinen Nachkommen als Ferienhäuser genutzt.
Bei der Juz-Brücke stoßen wir auf Weg 9, den wir bereits kennen. In einer halben Stunde sind wir wieder beim Parkplatz.

 

Katharina Lanz
Katharina kommt am 21. September 1771 in St. Vigil in Enneberg in einer Familie von Halbpächtern zur Welt. Die junge Frau steht im Dienst eines reichen Bauern in Spinges, als die napoleonischen Truppen aufmarschieren. Die Franzosen haben Österreich den Krieg erklärt und so wird auch in Tirol gekämpft. Rund um Spinges ist die Schlacht besonders lang und grausam. Die Schützen haben Mühe, den Vorstoß der zahlenmäßig überlegenen Franzosen abzuwehren. Am 2. April 1797 greift Katharina zur Heugabel, stellt sich auf die Kirchenmauer und kämpft wie ein Mann, um den geweihten Ort zu verteidigen. Ihr Beispiel gibt ihren Mitkämpfern neuen Mut und die Feinde werden zurückgeworfen. Der Blutzoll aber ist hoch: Rund hundert gefallene Tiroler und ebenso viele Verletzte sind zu zählen. Katharina arbeitet ihr restliches Leben am Pfarrhof von Andraz bei Buchenstein in der Provinz Belluno, wo sie am 8. Juli 1854 im Alter von fast 83 Jahren stirbt; sie wird in Buchenstein beerdigt.

 

Diesen und weitere Wandertipps mit zusätzlich Kartenskizzen und Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten finden Sie in unten erwähntem Buch.

 

 

> Infos in kürze

Einfache, aussichtsreiche Wanderung hoch über dem Eingang ins Pustertal; die Gegend ist ein Paradies für erfahrene Mountainbiker.
4 Stunden Gehzeit, 670 Höhenmeter; zur Anratterhütte (2 Stunden vom Parkplatz, Tel. 0472 849574) kann man den Ausflug auch mit Kinderwagen unternehmen.
Anfahrt: Von Spinges, erreichbar von Aicha oder Schabs am Eingang ins Pustertal, weiter bis zum Parkplatz mit Sperrbalken.
Einkehr: Während der Wanderung gibt es keine Einkehrmöglichkeiten; in Mühlbach: Wirtshaus Ansitz Strasshof, interessante alpinmediterrane Küche, Mi Ruhetag, Tel. 0472 886142.

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