Auf den Plattkofel:
Auf den Spuren von Luis Trenker – dem weltberühmten Bergsteiger und Filmemacher

Foto: Jörg Holzapfel

Auf den Plattkofel:
Auf den Spuren von Luis Trenker – dem weltberühmten Bergsteiger und Filmemacher

 

Dem Grödner Ausnahmebergsteiger Luis Trenker ist mit diesem Ausflugsvorschlag ein bedeutender Dolomitengipfel gewidmet: der Plattkofel. Mit seinen 2958 m fehlt ihm nur ein kleines Stück zum Dreitausender. Obwohl seine Besteigung absolut unproblematisch ist, fühlen wir uns – einmal oben angekommen – wie richtige Bezwinger. Wir stehen in Augenhöhe mit dem schwindelerregenden Langkofel (3181 m), der 1869 von Paul Grohmann erstbestiegen wurde.

 

Auf Luis Trenker trifft die Bezeichnung des Allroundtalents ohne Einschränkung zu: Bergsteiger, Skipionier, Architekt, Schauspieler, Regisseur und Autor – dies sind seine Berufe und Leidenschaften während seines fast 100-jährigen Lebens. Die Wanderung beginnt beim Sellajochhaus (2180 m) knapp unterhalb des gleichnamigen Passes, wo es genügend Parkmöglichkeiten gibt. Wir nehmen den Friedrich-August-Weg (Nr. 4 und 557), der uns anfangs ein kurzes Stück bergauf zum Rodella-Sattel führt. Von der Friedrich-August-Hütte (2298 m) geht es praktisch eben am Südhang des Plattkofels entlang. Der Weg ist auch für weniger trainierte Wanderer geeignet und bietet eine herrliche Aussicht. Während wir Richtung Plattkofelhütte wandern, stoßen wir auf die kleine Sandro-Pertini-Hütte. Unter uns liegt das grüne Durontal, ein wunderschönes Nebental des Fassatals. Rund 1½ Stunden nach dem Start kommen wir zur Plattkofelhütte (2300 m). Bis zum Gipfel des Plattkofels fehlen noch rund 2 Stunden Aufstieg und 660 Höhenmeter. Anfangs über Wiesen, dann über Schottergelände geht es zickzack auf einem markierten Steig bis zum großen eisernen Gipfelkreuz. Hier nehmen wir uns viel Zeit, genießen die Aussicht und fühlen uns für einen kurzen Augenblick wie Trenker. Zurück geht es auf dem gleichen Weg in knapp 3 Stunden vom Gipfel bis zum Parkplatz.

 

Luis Trenker
Luis Trenker kommt am 4. Oktober 1892 in St. Ulrich zur Welt. Im Alter von 20 Jahren wird er Bergführer und verzeichnet bereits Erstbegehungen in den Dolomiten. 1912 beginnt er mit dem Architekturstudium in Wien, das er aber 1914 wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs unterbrechen muss. Trenker kämpft für Österreich-Ungarn an verschiedenen Fronten, wird zum Offizier ernannt und trägt auch einige Verletzungen davon. Nach dem Krieg schließt er das Studium in Graz ab. In Bozen eröffnet er 1924 ein Architekturbüro, nach wenigen Jahren muss er allerdings den Beruf aufgeben, weil sein akademischer Titel in Italien nicht anerkannt wird. Seit 1922 wirkt er in Filmen als Komparse mit, 1926 ist er Hauptdarsteller in „Der Heilige Berg“. Ab 1927 arbeitet Trenker vor allem als Regisseur, aber auch weiterhin als Schauspieler. Mit Mario Bonnard und Nunzio Malasomma dreht er „Der Ruf des Nordes“. Es folgen „Der Sohn der weißen Berge“, „Berge in Flammen“, „Der Rebell“ und „Der verlorene Sohn“, der – ebenso wie ein Jahr später „Der Kaiser von Kalifornien“ – in Venedig beim Filmfestival ausgezeichnet wird. Trenker zieht sich aber zusehends den Groll des NS-Regimes auf sich und übersiedelt schließlich nach Rom. Er spricht sich entschieden gegen die Option, die Absiedelung der Südtiroler in das Dritte Reich, aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentriert er sich auf Dokumentarfilme. 1956 arbeitet er mit Pier Palo Pasolini in „Flucht in die Dolomiten“ zusammen. Trenker stirbt am 12. April 1990 im Alter von 97 Jahren in Bozen.

 

Diesen und weitere Wandertipps mit zusätzlich Kartenskizzen und Hinweisen auf Sehenswürdigkeiten finden Sie in unten erwähntem Buch.

> Infos in kürze

6½ Stunden Gehzeit, 890 Höhenmeter. Startpunkt ist beim Sellajochhaus. Einkehr: Plattkofelhütte, von Mitte Juni bis September geöffnet, Tel. 0462 601721.

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